Aktivitäten und Erfolge von Schöny, Roland Univ.-Lekt. BA

Medienbeiträge

Titel des Beitrags: Life Style Architektur für den Hire and Fire Alltag
Name des Mediums: derivé – Zeitschrift für Stadtforschung (Print)
Programmschiene / Rubrik: Besprechungen
Datum: 01.12.2008
Beschreibung: Kritik: ARBEIT ZEIT RAUM Bilder und Bauten der Arbeit im Postfordismus Gabu Heindl (Hg.) turia + kant, 2008 Einer der Chefideologen unentwegter Selbstoptimierung unter dem Paradigma des Neoliberalismus inszeniert sich selbst als mobil lebender Guru. Mehr als 200 Tage jährlich verbringt der amerikanische Bestseller Autor Tom Peters symbiotisch mit dem Laptop verbunden in den Zimmern exklusiver First Class Hotels. Stets on the road tritt er des Abends als hohepriesterlicher Propagandist einer monadischen und auf irgendwelchen Projekt-Blasen basierenden flexiblen Existenz vor sein Rat suchendes Publikum. Da predigt er Selbstorganisation, Wandlungsfähigkeit und Waghalsigkeit als jenes Erfolgsmodell, das in der Realität sukzessive in unterbezahlte Verträge auf Zeit, prekäre Lebensverhältnisse und im äußersten in finanzielles Desaster und Privatkonkurs führt. Alltagsreportagen und Talkshows zahlreicher Fernsehkanäle bauen solche Untergangsszenarien des flexiblen Menschen bereits zu Themennachmittagen aus. Doch halt: Hier werden räumliche Dispositive ausgeleuchtet. Was für den zynischen Propagandisten enthemmter Flexibilität, Tom Peters, in der von Andreas Rumpfhuber im Reader „Arbeit Zeit Raum” skizzierten Nahaufnahme das King Size Bett im noblen St. James Hotel in Montreal ist, endet in einem von Herausgeberin Gabu Heindl verfassten historischem Längsschnitt als glamourös gestylte Office-Kommunikationslandschaft für den Hire and Fire Alltag der Creative Industries. „Wenn Foucault noch für die Periode der präfordistischen und fordistischen Disziplinierungsmilieus fragte: „Was ist daran verwunderlich, wenn das Gefängnis den Fabriken, den Schulen, den Kasernen, den Spitälern gleicht?“, dann auch für den Postfordismus nicht verwunderlich, wenn Büros Clubräumen und Autofabriken Museen gleichen. Mit Fokus auf diese strahlende Maschine der Verdrängung gesellschaftlicher Realität per Life Style Architektur für das Arbeitsleben schließt Heindl ihre entlang der Tangente der Rationalisierung in Fabriken und Büroclustern der USA, Japans und Europas verlaufende Analyse. Allerdings überrascht der überwiegend deskriptive Zugang, der bei Frederick Taylors Priciples of Scientific Management von 1911 und den für Henry Fords Entwicklung der Fließbandarbeit maßgeblichen Fliessketten in Chicagos Schlachthöfen ansetzt, in diesem Buch gelegentlich. Die auf die topografische Grammatik der Arbeitsorganisation konzentrierten Sondierungsbewegungen von „Arbeit Zeit Raum” belassen die im Subtext mitlaufende vierte Koordinate – den Begriff des in sich antagonistischen Gesellschaftlichen – etwas zu oft hinter der Bühne. Der primäre Blick auf morphologische Prozesse innerhalb der westlichen, euro-amerikanischen Moderne hat seinen Preis in der Konstruktion einer tendenziell linearen Abfolge von Entwicklungen, was Kamerafahrten auf Widersprüche und Widerstände weitgehend ausschließt. Zum anderen jedoch gelang es der Herausgeberin, die mit ihrer eigenen Analyse eine der Hauptachsen legt, AutorInnen und Themen zu vereinen, die insgesamt eine dichte Makrolandschaft aneinander andockender Beobachtungsfelder konstituieren. Eine breite historische Folie entwirft Siegrid Mattl mit Zoom in Richtung Paris, Petersburg, Mailand und Wien, wobei er die Bedeutungen und strategischen Potentiale klassenspezifisch codierter Raumformationen von Plätzen und Straßenzügen – als Aufmarschgebiete etwa – wie auch von kommunalen Architekturen des Wohnens und Orten der Arbeit selbst durchmisst. Spürbar ist, dass Mattl den seinen Texten inhärenten Materialreichtum offenbar mit Strenge bändigen musste, um das Format des Essay-Bandes nicht zu überschreiten. Seine Theorie-Fluchtpunkte Richtung Gegenwart sind Saskia Sassens These von der Defragmentierung der Nationalstaaten und die von ihm oft ins Treffen geführten Lúc Boltanski und Eve Chiapello. (...)
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